Eine Sternstunde der Bachkantorei
Konzertkritik von Erwin Fronhöfer
Copyright Braunschweiger Zeitungsverlag 2004. Erstveröffentlichung 08.07.2003
Brillante Aufführung der "Nelson-Messe" von Haydn
Zu Beginn gestaltete die Sopranistin Sylvia Bleimund die Mozart-Motette KV 165 "Exsultate, jubilate" souverän. Gerade dieses bekannte und beliebte Werk zeigt deutlich, wie selbstverständlich bei Mozart sich geistliche und weltliche, opernhafte wie schlicht volkstümliche Elemente verbinden.
Ein Paradestück
Die Komposition aus dem Jahr 1773 hat sich bis heute als Paradestück für Sopranistinnen gehalten. Sylvia Bleimund brachte sowohl die Sicherheit in den Koloraturen als auch den dramatischen Ausdruck mit, verbunden mit lyrischer Wärme. Schon da setzte starker Applaus ein.
Ein interessanter Komponist wurde mit dem "Konzert für Orgel und Orchester Nr. 2, C-Dur" vorgestellt: Zu seiner Zeit war Frantisek Xaver Brixi (1732 - 1771) besonders als Kapellmeister und Organist des Veitsdoms zu Prag hoch geschätzt, seine Werke wurden häufig aufgeführt. Heute ist er nahezu vergessen, und das in Helmstedt aufgeführte Werk ist erst im vergangenen Jahr erstmals im Druck erschienen.
Die drei Sätze Allegro con spirito, Adagio und Allegro ergänzen sich in großartiger Weise. Die feierlichen Akzente werden in den schnellen Passagen durch die Bläser vermittelt, während im Mittelteil die Streichergruppen die elegischen Sentenzen begleiten, die aber gleichzeitig das Fundament bilden.
Paul-Gerhard Blüthner erwies sich als ein Organist von großem Können, versiert, technisch brillant, jedes Detail arbeitete er klar heraus. Besonders das festliche Finale führte in himmlische Sphären.
Höhepunkt war danach die Aufführung der von Joseph Haydn im Jahr 1798 geschaffenen "Missa in Angustiis" (Messe in Bedrängnis), wobei nicht stichhaltig begründet werden kann, warum sie auch "Nelson-Messe" genannt wird.
Mathias Michaely, Leiter der Bachkantorei, der schon vorher als mitreißender Dirigent Akzente gesetzt hatte, brachte es auch dieses Mal fertig, seinem Chor das ganze Potenzial zu entlocken. Fast kaum vorstellbar – aber bei Michaely und der Bachkantorei gibt es immer wieder Steigerungen.
Ungewöhnliche Aufstellung
Der Chorleiter hatte eine ungewöhnliche Aufstellung gewählt: Tenöre und Bässe standen in der ersten Reihe, dahinter waren die Sopran und Altistinnen postiert, dies verstärkte die Kraft der Klangwirkung. Als Krönung kam ein Solistenquartett dazu, das mit seiner Harmonie, seiner Stilsicherheit, seinen exakten Einsätzen und den tragenden Stimmen wohl in jeder Konzerthalle bestehen kann. Sylvia Bleimund (Sopran), Claudia Erdmann (Alt) Sven Erdmann (Tenor) und Albrecht Pöhl (lyrischer Bass-Bariton) erreichten hohes Niveau und wurden daher ausgiebig bejubelt.
Die Camerata Instrumentale Berlin als Begleitung und Propsteikantor Mathias Michaely haben schon mehrmals zusammengearbeitet, aber diesmal haben sie eine lückenlose Harmonie erreicht, zu der zu sagen ist: "Bei einer Sternstunde gelingt einfach alles."
Starke Zustimmung beim Publikum für 90 Minuten wahren Musikgenuss.
Daher heute schon vormerken: Während der Domkonzerte in Königslutter
im September singt die Bachkantorei unter Leitung Michaelys den "König
David" von Arthur Honnegger.
Dienstag, 08.07.2003
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